Sonntag, 8. August 2010

Wismar - 2 Seiten einer Medaille








5. Tag
Fährt man durch Ungarn, die Tschechei oder die Slowakei, wird einem noch an vielen Stellen bewußt, dass dort ein anderes System mit anderen Prioritäten geherrscht hat. In der ehemaligen DDR hingegen hat der Hurra-Kapitalismus mit voller Wucht zugeschlagen (und das mal völlig wertfrei). Gerade an der Ostsee wird einem bewußt, dass eine schöne - und z.T. intakte - Landschaft ein Kapital ist. Das hat man offenbar schnell erkannt, die Farbpinsel, die Maurerkellen - und vor allem das Scheckbuch - herausgekramt und die Ostseeküste in ein Urlaubsparadies ersten Grades umgewandelt. Nicht dass sie das nicht schon lange gewesen wäre. Nur der Urlauber des 21. Jahrhunderts erwartet sich sauber gestrichene, modern eingerichtete Gebäude - mit Whirlpool, Satellitenfernsehen und Internet. Auch in den Wohn- und Wirtschaftsgegenden wurden desolate Industriegebäude durch Glasfassaden ersetzt hinter denen sich Einkaufszentren und Büros befinden. Selten findet man noch gelegentlich ein paar verfallene Mauern zwischen Bahn und Kai, und das ist richtig schick, sonst wäre es ja richtig unglaubwürdig.
Wismar hingegen zeigt noch ein anderes Bild. Einst eine der mächtigen Hansestädte, die ursprünglich den Ostseeraum beherrschten und prägten, scheint hier nun der Tourismus nicht in der gleichen Menge Euros von westdeutschen Konten einzubringen. Sicher, die Innenstadt ist auch hergerichtet, geht man aber ein bisschen abseits zeigen sich noch ein paar Narben, die darauf hinweisen wie es hier vor ein paar - zwanzig - Jahren war. Vor allem leere, nackte oder überhaupt halbe Kirchen erzählen da doch eine andere Geschichte. Aber auch hier wird schon kräftig renoviert und wiederaufgebaut, und vielleicht stehen die Kirchen in einem Jahrzehnt schon wieder...

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