Freitag, 28. Mai 2010
Nachbaralarm
Es ist wirklich kaum zu glauben. Da lebt man 30 Jahre in der Einöde, nichts passiert links und rechts von einem, und auf einmal, unverhofft, trifft eine Einladung zu einer Bauverhandlung ein. Und kaum versieht man sich, stehen Bagger auf dem Nachbargrundstück, graben große tiefe Löcher, bärtige große Männer mit dicken Oberarmen schwirren herum, Lastwagen verstellen die Straße, dazwischen gelegentlich nicht ganz so kräftige Männer mit Gerätschaften, die ein Ingenieur-Studium erfordern. Da wollen doch tatsächlich Menschen Häuser bauen, in die dann andere Menschen einziehen wollen. Das unterstützt von der internationalen Mafia der Bauträger, Bausparkassen und Kreditinstitute. Zu allem Überfluss das Ganze noch staatlich gefördert. Unsere derzeitigen Nachbarn - die uns damals auch nicht gefragt haben ob wir sie als Nachbarn gut heißen - sind erschüttert. Ihre Versuche bei der Bauverhandlung das Projekt an Formalfehlern scheitern zu lassen sind missglückt, als letzte Bastion vor dem Einfall der Arbeiter- und Nachbar-mit-Kfz-Horden haben sie den "Gehweg" vor ihrem Haus mit Blumenkisteln gepflastert. Man kann dann als Fußgänger nur auf der Straße laufen, aber das ist man sowieso gewohnt. In unserem schönen Ort scheint das ein Bürgersport zu sein, den öffentlich Grund vor seinem Haus vor Betreten, Befahren und Beparken mit Hilfe von Pflanzen, Steinen und anderem zu schützen. Ich habe jedenfalls beschlossen, die ganze Sache ein wenig fotografisch zu dokumentieren und die Welt an dieser himmelschreienden Ungerechtigkeit teilhaben zu lassen und jeden zu erinnern: auch Du könntest plötzlich neue Nachbarn bekommen, und wer weiß was das für Leute sind! Mein zweiter Beschluß besteht übrigens darin, die neuen Nachbarn mit Kuchen und Hilfsangeboten zu begrüßen.
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